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Wie lösen andere Länder das Laden am Straßenrand?

Wie lösen andere Länder das Laden von Elektroautos ohne eigenen Stellplatz? Überblick über Kabelgoot-Verfahren, Kerbo Charge und internationale Praxisbeispiele.

7 min Lesezeit

Bündige Kabelrinne im Gehweg neben parkendem Elektroauto am Straßenrand

Warum ein Blick ins Ausland interessant ist

Viele Haushalte verfügen bereits über einen Hausanschluss, eine Wallbox oder eine Photovoltaikanlage. Fehlt jedoch ein privater Stellplatz, stellt sich dieselbe Frage wie in Deutschland: Wie gelangt der Strom sicher und rechtlich zulässig zum Fahrzeug am Straßenrand? Mehrere europäische Länder haben hierfür bereits dokumentierte Verfahren entwickelt. Die Lösungen unterscheiden sich im Detail, verfolgen jedoch ein ähnliches Ziel: Die sichere Nutzung privaten Stroms bei gleichzeitigem Schutz von Verkehrssicherheit und Barrierefreiheit. Die internationalen Beispiele zeigen nicht, wie Deutschland handeln muss. Sie zeigen jedoch, welche Ansätze andere Kommunen und Staaten bereits erproben oder eingeführt haben.

Drei dokumentierte Modelle

🇬🇧 Vereinigtes Königreich

Kerbo Charge

Kerbo Charge bietet ein System an, bei dem das Ladekabel durch eine bündige Führung im Gehweg verlegt wird. Das Unternehmen arbeitet mit verschiedenen britischen Kommunen zusammen. Ziel ist es, Haushalten ohne eigene Einfahrt das Laden mit Hausstrom zu ermöglichen, ohne dass ein loses Kabel über den Gehweg geführt werden muss. Die Installation erfolgt nach festgelegten technischen Vorgaben. Zuständigkeiten für Einbau und Wartung sind definiert. Wichtig ist dabei: Kerbo Charge ist kein allgemeingültiger britischer Standard, sondern ein konkretes Modell eines Anbieters, das von einzelnen Kommunen genutzt wird.

🇳🇱 Niederlande

Kabelgoot-Verfahren

Mehrere niederländische Kommunen haben offizielle Verfahren für sogenannte Kabelgoottegels eingeführt. Dabei handelt es sich um Gehwegplatten mit integrierter Kabelführung. Ein dokumentiertes Beispiel ist die Stadt Hilversum. Dort können Anwohner unter bestimmten Voraussetzungen eine Kabelgoottegel beantragen. Die Kommune veröffentlicht technische Anforderungen, Zuständigkeiten sowie Regelungen zu Kosten und Unterhaltung. Die niederländischen Verfahren zeigen, dass Kommunen die Nutzung privater Ladeinfrastruktur aktiv verwalten können.

🇧🇪 Belgien

Einführung erster Projekte

Belgien befindet sich nach öffentlich verfügbaren Informationen derzeit in einer frühen Einführungsphase vergleichbarer Konzepte. Kerbo Charge hat angekündigt, sein Modell auch auf belgische Kommunen auszuweiten. Zum Zeitpunkt dieses Artikels liegen jedoch deutlich weniger öffentlich dokumentierte kommunale Verfahren vor als beispielsweise in den Niederlanden. Deshalb sollte Belgien derzeit eher als Beispiel für eine laufende Entwicklung und nicht als etabliertes Standardmodell betrachtet werden.

Vergleich der Ansätze

MerkmalNiederlandeVereinigtes Königreich
TrägerKommuneKommune und Anbieter
Antragstellungdirekt bei der Kommunehäufig über Anbieter und Kommune
Technische LösungKabelgoottegelKabelrinne im Gehweg
Öffentliche Dokumentationvorhandenvorhanden
Verbreitungmehrere dokumentierte Kommunenmehrere dokumentierte Kommunen

Die Tabelle dient der allgemeinen Einordnung. Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich zwischen einzelnen Städten und Gemeinden.

Welche Gemeinsamkeiten zeigen die Beispiele?

  • Es existiert ein formelles Genehmigungsverfahren.
  • Die technische Lösung ist definiert.
  • Verkehrssicherheit spielt eine zentrale Rolle.
  • Barrierefreiheit wird berücksichtigt.
  • Zuständigkeiten für Betrieb und Wartung sind geregelt.
  • Die Nutzung erfolgt nicht ohne behördliche Kontrolle.

Trotz unterschiedlicher Verwaltungsstrukturen lassen sich diese gemeinsamen Merkmale erkennen. Diese Gemeinsamkeiten sind möglicherweise wichtiger als die konkrete technische Ausgestaltung.

Was sich nicht direkt übertragen lässt

Internationale Beispiele liefern wertvolle Erfahrungen, ersetzen jedoch keine rechtliche Bewertung für Deutschland. Zwischen den Ländern bestehen Unterschiede bei: • Straßenrecht • Verwaltungsverfahren • Zuständigkeiten der Kommunen • Haftungsfragen • Genehmigungsprozessen Deshalb kann aus einem niederländischen oder britischen Verfahren nicht automatisch abgeleitet werden, dass dieselbe Lösung in Deutschland genehmigungsfähig ist.

Häufige Fragen

Gibt es Kabelrinnen für Elektroautos bereits im Ausland?

Ja. Dokumentierte Beispiele existieren unter anderem in den Niederlanden und im Vereinigten Königreich.

Sind Kabelrinnen im Ausland überall erlaubt?

Nein. Auch dort gelten Genehmigungs- und Antragsverfahren sowie technische Anforderungen.

Gibt es in den Niederlanden offizielle Verfahren?

Ja. Mehrere Kommunen veröffentlichen Antragsverfahren für sogenannte Kabelgoottegels.

Ist Kerbo Charge eine staatliche Lösung?

Nein. Kerbo Charge ist ein privater Anbieter, der mit Kommunen zusammenarbeitet.

Kann Deutschland diese Modelle einfach übernehmen?

Nicht ohne Weiteres. Die rechtlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich zwischen den Ländern.

Auf einen Blick

  • Mehrere europäische Länder haben Verfahren für das Laden am Straßenrand entwickelt.
  • Die Niederlande setzen auf kommunale Kabelgoot-Verfahren.
  • Im Vereinigten Königreich existieren kommunal unterstützte Lösungen wie Kerbo Charge.
  • Belgien befindet sich in einer frühen Einführungsphase vergleichbarer Konzepte.
  • Die Verfahren unterscheiden sich, verfolgen aber ähnliche Ziele.
  • Internationale Beispiele liefern Erfahrungen, sind jedoch keine direkte Vorlage für deutsches Recht.

Weiterführende Themen

Quellen

Praxis & Mitwirken

Eigene Erfahrungen einbringen

Die Initiative sammelt dokumentierte Fälle und Rückmeldungen aus Kommunen, um den tatsächlichen Bedarf sichtbar zu machen.