Energie

Warum überschüssiger Solarstrom für Elektroautos interessant ist

Warum viele Hausbesitzer ihr Elektroauto mit PV-Strom laden möchten. Wirtschaftliche Vorteile, Eigenverbrauch, Netzentlastung und die Rolle von Wallboxen und Gehweg-Lösungen.

6–8 min Lesezeit

Wohnhaus mit PV-Anlage und Elektroauto am Straßenrand

Das Grundprinzip

Photovoltaikanlagen erzeugen Strom dann, wenn die Sonne scheint. Elektroautos stehen dagegen oft viele Stunden ungenutzt vor dem Haus. Auf den ersten Blick passen beide Systeme daher gut zusammen: Der selbst erzeugte Solarstrom kann direkt zum Laden des Fahrzeugs genutzt werden. Für viele Eigentümer ist dies eine der wirtschaftlich interessantesten Möglichkeiten, den Eigenverbrauch ihrer Photovoltaikanlage zu erhöhen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Strom das Fahrzeug überhaupt erreichen kann.

Warum Eigenverbrauch oft attraktiver ist als Einspeisung

Wer Strom aus einer Photovoltaikanlage nicht selbst nutzt, speist ihn in das öffentliche Netz ein und erhält dafür eine gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung. Für neue Anlagen bis 10 kWp mit Teileinspeisung liegt die Vergütung im Zeitraum vom 1. Februar bis 31. Juli 2026 bei 7,78 Cent pro Kilowattstunde. Dem gegenüber stehen Haushaltsstrompreise, die laut BDEW im Jahr 2026 durchschnittlich bei rund 37 Cent pro Kilowattstunde liegen. Der wirtschaftliche Vorteil des Eigenverbrauchs ergibt sich daraus, dass jede selbst genutzte Kilowattstunde den Bezug von Strom aus dem Netz vermeiden kann.

Beispiel

Nutzung einer erzeugten kWhTypischer Wert
Einspeisung ins Netzca. 7,8 ct
Eigenverbrauch statt Netzbezugca. 37 ct

Die tatsächlichen Werte hängen vom individuellen Stromtarif, der Größe der Anlage, dem Ladeverhalten und weiteren Faktoren ab. Das Beispiel dient lediglich der Veranschaulichung.

Drei Gründe, warum viele Eigentümer ihr Elektroauto mit Solarstrom laden möchten

1

Wirtschaftliche Vorteile

Der Eigenverbrauch von Solarstrom ist häufig wirtschaftlich attraktiver als die Einspeisung ins öffentliche Netz. Ein Elektroauto kann dabei als großer zusätzlicher Verbraucher dienen und helfen, einen größeren Anteil des selbst erzeugten Stroms im eigenen Haushalt zu nutzen. Je höher der Eigenverbrauchsanteil einer Anlage ist, desto stärker kann sich dies auf die Wirtschaftlichkeit auswirken.

2

Lokaler Verbrauch kann das Stromnetz entlasten

Photovoltaikanlagen speisen besonders in den Mittagsstunden Strom in das Netz ein. In Regionen mit hoher PV-Dichte kann dies zeitweise zu erhöhten Einspeisungen in lokale Verteilnetze führen. Wird ein Teil dieses Stroms direkt vor Ort genutzt – beispielsweise zum Laden eines Elektroautos –, muss weniger Energie in andere Netzbereiche transportiert werden. Wie groß dieser Effekt ausfällt, hängt von vielen Faktoren ab, darunter Netzstruktur, regionale Erzeugung und tatsächliches Ladeverhalten. Fest steht jedoch: Lokaler Verbrauch reduziert die Strommenge, die in diesem Moment in das Netz eingespeist werden muss.

3

Moderne Wallboxen können PV-Überschuss gezielt nutzen

Viele aktuelle Wallboxen unterstützen sogenanntes PV-Überschussladen. Dabei wird bevorzugt der Strom genutzt, der aktuell von der Photovoltaikanlage erzeugt wird und im Haushalt nicht benötigt wird. Je nach System kann die Ladeleistung automatisch angepasst werden. Dadurch lässt sich der Anteil des selbst genutzten Solarstroms erhöhen.

Die praktische Hürde: Das Fahrzeug steht nicht auf dem eigenen Grundstück

Für Eigentümer mit Garage oder Einfahrt ist die Kombination aus Photovoltaikanlage und Wallbox oft unkompliziert. Anders sieht es bei vielen Reihenhäusern, Altbauquartieren oder innerstädtischen Wohngebieten aus. Dort verfügen zahlreiche Haushalte über:

  • einen Hausanschluss,
  • eine Photovoltaikanlage,
  • eine Wallbox,
  • aber nicht über einen eigenen Stellplatz.

Das Fahrzeug steht stattdessen am Straßenrand. Damit entsteht eine besondere Situation: Der Strom ist vorhanden. Die Ladeinfrastruktur ist vorhanden. Das Fahrzeug ist vorhanden. Es fehlt lediglich die rechtssichere Verbindung zwischen Haus und Auto.

Warum dieses Thema für die Energiewende interessant ist

Die Diskussion um Gehweg-Lösungen wird häufig als reines Komfortthema betrachtet. Tatsächlich berührt sie jedoch mehrere energiepolitische Fragen gleichzeitig:

  • Eigenverbrauch von Solarstrom
  • Nutzung vorhandener Wallboxen
  • Integration von Elektrofahrzeugen
  • lokale Nutzung erneuerbarer Energien
  • Entlastung von Verteilnetzen durch direkten Verbrauch

Das bedeutet nicht automatisch, dass jede technische Lösung geeignet oder genehmigungsfähig ist. Es zeigt jedoch, dass die Frage über den individuellen Nutzen einzelner Fahrzeughalter hinausgeht.

Was zeigen internationale Beispiele?

Mehrere niederländische Kommunen ermöglichen unter bestimmten Voraussetzungen die Nutzung sogenannter Kabelgoottegels. Im Vereinigten Königreich existieren verschiedene Programme für Haushalte, die ihr Elektroauto trotz Straßenparken mit Strom vom eigenen Grundstück laden möchten. Diese Beispiele zeigen, dass Kommunen und Staaten nach Wegen suchen, die Nutzung vorhandener Photovoltaik- und Ladeinfrastruktur auch für Haushalte ohne eigenen Stellplatz zu ermöglichen.

Häufige Fragen

Kann ich mein Elektroauto direkt mit Solarstrom laden?

Ja. Technisch ist das problemlos möglich, wenn eine geeignete Wallbox und die notwendige elektrische Infrastruktur vorhanden sind.

Ist Eigenverbrauch wirtschaftlich attraktiver als Einspeisung?

In vielen Fällen ja. Der genaue Vorteil hängt jedoch von Strompreis, Einspeisevergütung, Anlagengröße und individuellem Verbrauch ab.

Was ist PV-Überschussladen?

Dabei lädt die Wallbox bevorzugt mit Strom, der aktuell von der Photovoltaikanlage erzeugt und im Haushalt nicht benötigt wird.

Warum ist ein Stellplatz wichtig?

Damit das Fahrzeug überhaupt an die Wallbox angeschlossen werden kann. Fehlt ein eigener Stellplatz, wird die Verbindung zwischen Haus und Fahrzeug häufig zur eigentlichen Herausforderung.

Auf einen Blick

  • Solarstrom kann direkt zum Laden eines Elektroautos genutzt werden.
  • Eigenverbrauch ist häufig wirtschaftlich attraktiver als Einspeisung.
  • Moderne Wallboxen unterstützen PV-Überschussladen.
  • Lokaler Verbrauch kann die Einspeisung in das Netz reduzieren.
  • Viele Haushalte besitzen bereits PV-Anlage und Wallbox, aber keinen Stellplatz.
  • Genau hier entsteht die Diskussion um genehmigte Lösungen zwischen Haus und Fahrzeug.

Weiterführende Themen

Quellen

Praxis & Mitwirken

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Die Initiative sammelt dokumentierte Fälle und Rückmeldungen aus Kommunen, um den tatsächlichen Bedarf sichtbar zu machen.